Als wär der Winter nicht gewesen
2. Mai 2011 von Karl-Heinz Hellweg | 1 Kommentar
Endlich ging es wieder los! Unsere diesjährige Saisoneröffnungsfahrt ging rund um Selm. Erstes Etappenziel war das Schloss Sandfort.
Eindrucksvoll die Erläuterungen von Frau Schulze-Althoff zu der Geschichte des Schlosses und zu den immensen Erhaltungs- und Gestaltungsaufwendungen! Von wegen “Adel und nur Glamour”, wie es die nur wenige Tage vorher in alle Welt ausgestrahlte “Traumhochzeit” in England wiedermal vorgaukelte. Es müssen auch Gelder reinkommen, damit es zum Glamour kommt. Ein Standbein von Sandfort ist der Spargelanbau. Wir waren auf den Feldern, haben gesehen, wie er gestochen und wie er weiterverarbeitet wird. Knochenarbeit! Einheimische machen die nicht; nicht aus bösem Willen, aber sie können es einfach nicht! Eine mittlere Katastrophe in diesem Jahr ist es in Sandfort, dass langjährig tätige polnische Mitarbeiter zur neuen Erntesaison nicht erschienen sind. Über die Gründe darf und muss spekuliert werden! Jeder, der ne Spargelmahlzeit zubereitet, weiß, dass aus den sogenannten abgeschälten Abfällen eine wunderbare Suppe bereitet werden kann. Wieviel nahrhafte Suppe kann aus einem ganzen Treckeranhänger voller Spargelabfälle gekocht werden? Das Gesundheitsamt sagt NEIN. Niemand darf da dran! Andere Gedanken tauchen auf: 40% aller Lebensmittel, die in Läden verkauft werden, werden entsorgt. Muss Hunger in dieser Welt sein?
Genug der düsteren Gedanken! Radfahren soll ja auch Spaß machen!
Diese Fahrt hat sehr viel Spaß gemacht. 15 Leute waren wir. Alle haben schon ein wenig geübt. Das Wetter spielte mit. Es wurde gefrozzelt, gelacht, Dönekens ausgetauscht von Touren, die Erinnerung geblieben sind. Das Münsterland ist ein Fahrradies! Ein “Ätsch” all denjenigen, die gesagt haben: “Kenn ich doch schon alles.” Im Münsterland gibt es immer neue Wege und kleines Interessantes am Rande.
Das kleine Interessante hat uns dann der Münsterländer Kiepenkerl erzählt im Cafe´ Indigo in Lüdinghausen. Weiß noch jemand von Euch, dass große Handelshäuser, wie Peek & Cloppenburg mit der Kiepe angefangen sind? Auf Platt lassen sich viele Dinge deutlicher und weniger verletzend sagen, wenn die Gegenüber es denn verstehen.
Weiter ging es Richtung Nordkirchen, der Geburtsstätte unserer NRW-Finanzbeamten.
Wie es sich gehört, hat hier eine beamtenmäßige Führung stattgefunden. War meine zweite Wahl, weil die erste keine Traute hatte. Wer mal Lust hat, mehr über das Nordkirchenleben zu erfahren, der möge mal die Siegmann-Tierparkstuben in Dortmund besuchen und das “schwarze Rieseninsekt” befragen, was er als Insasse jener Anstalt zu berichten hat. Das ist spannender.
Vielleicht lag es ja auch daran, dass zumindest unter BVB-Sympathisanten ein anderes Thema immer mitschwang. Das Radio lief und die Freude war groß über den siebten Meistertitel. Hat Schwung gegeben für die restlichen zehn KM zum Selmer Bahnhof. Im Zug dann konnten die Räder so eben verstaut werden. Zwei Stationen später wäre das nicht mehr möglich gewesen. Alle schwatzgelbe Welt begab sich Richtung Fete in das Dorf der Dörfer. Vom Dortmunder Hbf auch keine Chance mehr, weiter zu reisen. Alles schwatzgelb! Aber der gute alte Drahtesel hilft ja immer als Transportmittel. Und so soll es auch in Zukunft sein. Bald nun schon an der Lippe entlang. Das Wetter wird wieder mitspielen und zehn nette Leute werden viel Spaß miteinander haben.





1. Marianne
Kommentar vom 2. Mai 2011 um 21:33
Endlich ist es wieder soweit
sie beginnt – die schöne Fahrradzeit!
Gut gelaunt ab Bahnhof Selm
starten vierzehn Radler – teils mit Helm.
Auf Schloss Sandfort taucht Freddy auf – wir können es kaum fassen
“Holzauge sei wachsam” sonst “türm ich” – will auch er sich nicht entgehen lassen
den professionellen Spargelstich
müssen wir noch üben – vermute ich
dann treten wir eifrig in die Pedalen
das flache Gelände, mit Gegenwind wir bezahlen
doch saftiges Grün und leuchtend gelber Raps
entschädigen uns für die kleine Strapaz’
Der Kiepenkerl auf münsterländisch Platt
erzählt von dies und dat und wat
im Garten vom Cafe Indigo
ein wenig schattig ist’s dort – drum sind wir froh
uns wieder auf unsere Stahlesel zu flüchten
nach Schloss Nordkirchen – wo sie Finanzbeamte züchten
beinahe wäre Kalle dort auf dem Trockenen gesessen
weil die Bedienung sein Bierchen vergessen
Gut in der Zeit – trotz ausgiebiger Pausen
Richtung Bahnhof Selm zurück wir sausen
die schönen Stunden sind so schnell vergangen
aber die Radlersaison hat ja gerade erst angefangen
ich freue mich schon auf die nächste Strecke
mal sehen, was ich dann wieder so entdecke!