Entlang Hase und Ems im Juli 2015

Mein Name ist Hase, ich kann viel erzählen.

So lautete das Motto unserer Radtour vom 10. – 13. Juli 2015. Gemeint ist der Fluss Hase. Bevor die Frage nach dem Igel kommt: Der Igel ist immer schon da! Die Hase hat in der Tat viel zu erzählen! Sie berichtet von Verschmutzung und Wiederbelebung. Die Industrieregion Osnabrück und auch Bersenbrück mit den Tuchmachern waren die Gründe. Sie erzählt von vielen Schweinereien aus ihrer Sichtweise. Gemeint ist die Fleischindustrie, die Biogasanlagen, die teilweise von den leckeren Gummibärchen gefüttert werden, wenn sie z.B. nur einen Arm haben und für Thomas-Gottschalk-Reklame nicht mehr geeignet sind.

Wacholderhain1 Wacholderhain   Die Hase erzählt von Moories und Artländern, die in der Vergangenheit ein wenig reicher waren. Sie erzählt von ansehnlichen Höfen, die verfallen und von einigen, die Liebhaber bekommen haben und sie restaurieren. Sie erzählt von Menschen, die sich in der Region sehr engagieren, um Heimat und Hase für die Nachwelt zu erhalten und zu entwickeln. Einige Aspekte haben wir als radelnde Gäste in dieser Region miterleben dürfen, und wir sind begleitet worden von Menschen, die ihre Heimat lieben und darüber hinaus denken, z.B. an Europa, an die Welt und an die Bewahrung der Schöpfung. Zwölf Leute waren wir, die Wind, Wetter getrotzt haben. Regen Wir haben zusammen Erlebnisse gehabt, gemeinsam gegessen und eine gemeinsame Wegstrecke zurückgelegt. Coppenrath1 Coppenrath Kleinode lagen am Wegesrand, idylische Ortschaften, wie Bersenbrück, Quakenbrück, Dörfer, die Dorferneuerungskonzepte umsetzen, Klöster, Kirchen und Kapellen; das Hahnenmoor und der Wacholderhain waren einen Besuch wert, der Piesberg mit seiner industriellen Vergangenheit, das Tuchmachermuseum in Bramsche, die Großbäckerei Coppenrath, die künstlichen Gewässer Alfsee und das Speicherbecken Geeste.                                   Bersenbrück Bersenbrück1 Hahnenmoor                         Hahnenmoor1 Hahnenmoor2 Löningen                          Löningen1 Piesberg Quakenbrück

Zwischen diesen Kleinoden, das sei nicht verschwiegen, befanden sich landwirtschaftliche Monokultur, industriell konzipierte Mastbetriebe, Ölpumpen, Pipelines, immer noch Torfkraftwerke, riesige Feldbewässerungsanlagen, die das Grundwasser angezapft haben und in Konzession gegen Gebühr für den einzelnen Landwirt betrieben werden. Wir haben uns Gedanken gemacht, was so passiert in Nah und Fern. Eine zentrale Frage, die uns beschäftigte war: „Wer bestimmt was wird? Die Politik, die Wirtschaft, der Wähler, der Verbraucher, die Verwaltung?“ Macht kann förderlich für die Allgemeinheit eingesetzt werden oder eben zur Ausbeutung der Allgemeinheit. Das Ganze ist unabhängig von der Staatsform. Ob die derzeitig bestehende Demokratie wirklich die beste aller Staatsformen ist, muss hinterfragt werden. Ist Gestaltungsmöglichkeit ausreichend vorhanden oder haben andere Mächte das Sagen? Die unsäglichen Verstrickungen und kaum aufzuhaltende Beschleunigungen lassen Verantwortlichkeiten kaum mehr erkennen. Oft sind dann die anderen schuld und die eigene weiße Weste kann gezeigt werden. Dies mag gesetzeskonform sein und dennoch steckt unter ethischen Gesichtspunkten jede Menge kriminelle Energie dahinter. Diskussionen über Mindestlohn und Lebensmittelkennzeichnung z.B. sind absurd, wenn sie durch Gesetzesnischen gleich wieder hintergangen werden. Welche Chance habe ich als Verbraucher, einen Betrieb, von dem ich den Eindruck habe, dass nicht alles koscher zugeht, durch Nichtkauf zu boykottieren? Wenn dieser Betrieb dann auch noch mit diversen Subunternehmern arbeitet, dann wird es ganz undurchsichtig. Die kleine Verkäuferin im Lebensmittelmarkt kann mir auf Anfrage sicherlich keine Antwort geben, wie mit Tier und Mensch in einem bestimmten Betrieb umgegangen wird.

Gefragt ist Aufklärungsarbeit und Unterstützung von kleinen Betrieben und Geschäften, die in der Region ansässig sind. Das ganz Große muss mal wieder runterdekliniert werden auf den Nahbereich.

blumeWenn der eine oder andere kleine Impuls durch unsere Radtour angekommen ist, dann würde ich mich freuen, wenn Laut gegeben wird. Vielleicht habt Ihr ja Lust, auch auf dieser Internetseite Ideen kund zu tun. Laut geben ist meiner Meinung nach angesagt, an welchen Stellen auch immer gegen Ungerechtigkeiten, Missbrauch und Ausbeutung. Alternativen müssen her! Habt Mut und teilt sie per Kommentar mit.

 


1 Kommentar

  1. 1. Lutz

    Kommentar vom 25. Juli 2015 um 10:13

    Danke Kalle,
    es waren mal wieder vier schöne Tage auf dem Fahrrad und interessante Besichtigungen. Am meisten beeindruckt haben mich die über 100 Jahre alten Webstühle mit ihrer schon damals ausgefeilten Technik im Tuchmuseum Bramsche.
    Auf weitere Fahrradtouren freue ich mich schon jetzt.
    Bis bald und alles Gute wünscht Dir

    Lutz

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