Es gibt immer einen Weg…
28. September 2011 von Karl-Heinz Hellweg | kein Kommentar
So hat es Marianne gesehen:
Wochenende Mittelrhein, 24. / 25. September 2011
„Durch das wilde Kurdistan“
Hieß die Tour so, die wir gefahr’n?
Ach nein, es war ja der Treck am Rhein
Den Irrtum möge man mir verzeihn!
Wer Brennnesseln, Stolpersteine und Kanalgänge mag
Der nutze ab Brohl am Rhein den Trampelpfad
Wir haben’s mit Humor genommen
Und mit vereinten Kräften den Radweg wieder erklommen
Das absolute Highlight an diesem Tag
War die phänomenal lange, rasante Abfahrt
Von Engeln aus und beinahe nonstop
Fast bis Neuwied – mit fünfzig Sachen im Galopp
Nebelschwaden über der Lahn
So fängt der zweite Tag an
Diese reißen ganz schnell auf
Als wir folgen des Flusses Lauf
Wie es war zu Kaisers Zeiten
Wenn Herr Kommerzienrat Madame „Charme“ durfte geleiten
Eine lebendige Stadtführung hat – mal laut, mal leise
Bad Ems uns nähergebracht – auf besondere Weise
Wie immer, wenn’s am Schönsten ist
Und den Alltag man gerade vergisst,
Heißt es wieder Abschied nehmen
Da helfen weder Maulen noch Tränen
Gottlob warten neue Touren und Geistesblitze
wir sagen: „Kalle, das war wieder mal Spitze!“
Marianne
..und so hat es Olaf gesehen:
Es gibt immer einen Weg…
Unsere kleine Fahrradgruppe ist schon beinahe vollständig vor dem Bahnhof versammelt, als ich gegen 9:10 mit meiner Radtasche ausgerüstet auf meinem Drahtesel dazukomme. Am Abend zuvor hatte ich ein Hotelzimmer in der Nähe bezogen, denn der Weg von Berlin bis nach Oberwinter war doch etwas zu lang, um dann gleich im Anschluss daran eine Wochenendtour beginnen zu wollen. Hinzu kommt, dass die Autobahn um den Großraum Köln meist etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt.
Da sind wir also. Eine Gruppe von netten Menschen mit gleichen Interessen, Rädern und entsprechender Ausrüstung für eine Zwei-Tages-Tour. Offenbar kennen sich bereits alle von anderen Begegnungen gleicher Art. Mir selbst sind nur der Organisator „Kalle“ Hellweg und Heinz bekannt, der wahrscheinlich jede Tour mitfährt. Als der dann als letzter sehr pünktlich ankommt, kann die Fahrt losgehen, aber nicht, ohne zuvor noch einmal die Strecken genauestens auf den zahlreichen Navigationsgeräten abzugleichen. Man will sich schließlich nicht verfahren.
Der erste Teil des Weges führt uns bei Sonnenschein jedoch noch frischer Luft direkt am Rhein entlang bis nach Remagen. Das Fahrtempo wird so vorgegeben, dass niemand außer Atem kommt und man sich während der Fahrt noch bequem unterhalten kann. Man möchte sich ja schließlich auch kennenlernen. In Remagen angelangt ist unser erstes Ziel das Friedensmuseum.
Die beiden noch übrig gebliebenen Brückenpfeiler dieser leider durch den Krieg international bekannt gewordenen Brücke beherbergen eine eindrucksvolle Permanentausstellung. Diese dunkel empor ragenden steinernen Reste einer zu den einst schönsten Brücken zählenden Konstruktionen legen in eindrucksvoller Weise Zeugnis sinnloser Zerstörung gegen Ende des zweiten Weltkrieges ab. Gleichzeitig dokumentieren sie das damit verbundene Leid und Elend der Menschen im Bereich dieses strategisch wichtigen Bauwerkes.
Weiter geht die Reise teilweise direkt am Rhein auf ebenem Weg. Wieder hat man Zeit, die schöne Umgebung zu betrachten und zu genießen. Einige kleine Orte werden durchquert. Unser nächstes Ziel ist der das Städtchen Brohl-Lützing.
Hier befindet sich die Talstation der Brohltal-Eisenbahn. In direkter Linie wird der kleine Bahnhof angesteuert. Da wir jedoch noch ausreichend Zeit bis zur Abfahrt des Zuges haben, der Kiosk auf dem Bahnhof jedoch geschlossen ist, wird ein Bierlokal am Rheinufer aufgesucht, um unsere Flüssigkeitsvorräte nochmals aufzutanken. Außerdem dürfen wir das Gepäck bei dem Wirt deponieren. Dann ist es soweit. Wir fahren zurück zum Bahnhof, denn nun erwartet uns vor Abfahrt eine Führung durch die Werkstatt dieser historischen Schmalspurbahn. Wir erfahren eine Menge interessanter Dinge über die im Januar 1901 eröffnete Bahn. Leider wird die kleine Dampflok gerade an anderer Stelle restauriert und ist somit für uns nicht zu betrachten.
Es ist 14:10. Beinahe so pünktlich wie die Bundesbahn setzt sich unser Zug mit vorgespannter Diesel-Lok in Bewegung. Wir haben in den liebevollrestaurierten Waggons Platz genommen und sitzen bereits auf in die Holzbänke eingelassenen Kissen. Zielbahnhof ist der etwa 400 m höher in der Eifel gelegene Ort Engeln, der nach einigen Halts durch malerische Umgebung angesteuert wird. Die dabei durch die Zugmaschine zu bewältigende Steigung lässt nur eine maximale Geschwindigkeit von knapp 20 km/h zu, was somit den Namen „Vulkan Expreß“ relativiert. Die Aussicht ist herrlich.
Oben angelangt geht es nach kurzer Pause mit rasantem Tempo wieder zurück an den Rhein, wobei wir nur streckenweise den Brohltalradweg benutzen.Die letzte Etappe dieses Tages soll uns nach Neuwied bringen, das auf der anderen Rheinseite liegt. Hier erwartet uns das Hotel Hubertus zur Übernachtung.
Eigentlich kann man sich am Rhein nicht verfahren, denn erstens hat man ja als Orientierung immer den Fluss an einer Seite, zum Anderen zeigen uns Radkarten und mehrere Navigationsgeräte immer den richtigen Weg. Eigentlich! Aber es geht auch anders. Ohne es zu bemerken, fallen wir vom rechten Weg ab und geraten auf eine Strecke, die immer schmaler und holpriger wird. Rechts von mir ist eine etwa 5 m hohe Mauer, hinter der die Bundesstraße verläuft. Links fällt die Böschung ab zum Rhein. Immerhin bleiben mir etwa 40 cm Platz, um mein Fahrrad durch die üppige Vegetation zu lenken. Ich denke, dass ich lieber meine lange Radhose angelassen hätte, denn Brennnesseln wechseln sich mit Dornen bestückten Sträuchern ab und bearbeiten meine Unterschenkel. Die in regelmäßigen Abständen aus der Wand ragenden schweren Eisenringe tun ein Übriges an der rechten Schulter. Offenbar hat mein Vordermann ähnliche Probleme, denn er lässt häufig Fluchtiraden mit bemerkenswertem Wortschatz lautstark erklingen. Diese zu wiederholen, würde den Rahmen dieses kleinen Berichtes übersteigen. Auch der hinter mir hoppelnde Teilnehmer dieser Radtour scheint sich gerade einen anderen Weg zu wünschen. Die Räder werden aus Sicherheitsgründen geschoben. Doch was nun? Der Vortrupp hält nach gefühlten 5 km an einem plötzlich sichtbaren Torbogen. Kalle erkundet, ob es hier etwa einen Weg geben könnte, um uns wieder auf mit dem Rad befahrbare Gefilde zu bringen. Gibt es! Wir müssen lediglich diese Tunnelröhre, die eigentlich ein Übermaß an Regenwasser von der höher liegenden Straße in den Rhein befördern soll, durchqueren. Sie ist geschätzte 20 m lang, nur in der Mitte etwa so hoch, dass ein ausgewachsener Mann beinahe aufrecht gehen kann und dunkel, so dass man den glitschigen und moderigen Untergrund nur mit den Schuhen ertasten kann. Jedenfalls bleiben uns so die evtl. vorhandenen toten Ratten und anderer Unrat verborgen. Am anderen Ende der Tunnelröhre müssen nur noch die Räder und das Gepäck über einen Absatz sowie ein Metallgeländer gewuchtet werden und schon ist der eigentliche Radweg wieder erreicht. Neben brennenden Unterschenkeln, einigen Kratzern, dem Verlust eines Teils meines vorderen Schutzblechs sowie stärker verschmutzten Schuhen hat diese kleine Einlage jedoch auch für Spaß und Gesprächsstoff gesorgt. War wohl von Kalle extra so vorgesehen. Bleibt aber auch lange im Gedächtnis.
Abgekämpft erreichen wir nach dem Überqueren einer langen Rheinbrücke unser Hotel in Neuwied. Nach gemeinsamem Abendessen finden wir in unseren Zimmern die verdiente Nachtruhe.
Am nächsten Morgen geht es durch das Frühstück gestärkt frisch an die nächste Etappe. Ziel ist zunächst der Bahnhof in Neuwied, wo uns um 8:37 der Zug erwartet, der uns über Koblenz nach Nassau an der Lahn bringen soll.
Alles klappt wieder reibungslos. Von Nassau aus radeln wir durch das Lahntal leicht abwärts zum nächsten Ziel: Bad Ems.
Wolkenloser Himmel als auch zwei freundliche Mitarbeiter des dortigen Verkehrsvereins in historischer Kleidung erwarten uns zu einer interessanten Führung durch die Stadt. Sie versetzen uns durch ihre Kostüme in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts und berichten in der Gegenwartsform vom Erblühen dieses Kurorts. Mitbedingt war das dadurch, das Bad Ems an der direkten Eisenbahnverbindung zwischen Berlin und Paris lag. Kaiser Zare und Könige haben einem großen Teil von Bad Ems durch ihre Besuche zu einem Bekanntheitsgrad und Wohlstand verholfen, von dem die noch sehr gut erhaltenen bzw. restaurierten Bauwerke Zeugnis ablegen. Die Fahrt mit der Zahnradbahn
auf die Bismarckhöhe mit einer fantastischen Aussicht über das Lahntal rundete unseren Besuch in Bad Ems ab. Weiter ging die Fahrt bis an den Rhein, wo wir dann In Koblenz wieder auf die andere Seite wechselten. Der Blick auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Deutschen Eck war leider nur aus einiger Entfernung von der Brücke über die Mosel möglich, die hier in den Rhein mündet.
Die Bundesgartenschau ließ grüßen! Die letzte Etappe führt uns vorbei an Neuwied nach Andernach. Von hieraus wurden die letzten Kilometer zurück nach Oberwinter mit der Bahn zurück gelegt, wobei sich erneut die Vorteile der Privatbahn im Gegensatz zur Bundesbahn zeigten. Hier hieß es dann: Abschied nehmen voneinander. Es erwartete mich mein Hotelzimmer, um dann ausgeschlafen am kommenden Morgen die Heimreise nach Berlin anzutreten.
Fazit:
Wieder einmal eine interessante Fahrradtour, die neben einer Fahrt durch landschaftlich reizvolle Umgebung zahlreiche Informationen erbrachte aber auch Anlässe zum Nachdenken über zurück liegende Ereignisse bot. Der reibungslose Ablauf zeugte von großem zeitlichen Aufwand, der für deren Organisation notwendig war. Der lange Weg von Berlin bis an den Rhein hat sich allemal wieder gelohnt.
Mit herzlichem Gruß an alle Teilnehmer und Interessierte!
Olaf



















