Saisoneröffnung 2015

blumeZahlen sind manchmal so langweilig, erst recht auf Radtouren, wenn sie einem um die Ohren gehauen werden. Aber manchmal sind sie auch richtig spannend, wie auf unserer Saisoneröffnungsfahrt in 2015. „Schalke und mehr“ hieß das Thema.

Einige Zahlen gefällig? 300 Millionen sind in den letzten Jahren schon in das Weltkulturerbe Zollverein investiert worden, die nächsten 300 Mio. geht man mit Freude an. Ein abgebauter Bergbauflöz, der sogenannte alte Mann mit einer Mächtigkeit von 1,5 m z.B. wurde mit Gesteinen per Hochdruck verfüllt. Man sollte meinen, dass damit die Hohlräume verfüllt sind, aber siehe da, der Druck von oben sorgt dafür, dass das ganze Gestein auf etwa 30 cm niedergedrückt wird. Große Teile des Ruhrgebiets sacken ab, weil sich zehntausende von Maulwürfen in wenigen Jahrzehnten da rumgetummelt haben. 12000 Tonnen Kohle hat Zollverein pro Tag rausgebuddelt, noch einmal dazu 12000 Tonnen Gestein pro Tag, die dann zu 12000 Tonnen Abfall geworden sind pro Tag. Weil der Bergbau von der Ruhr ausgehend Richtung Norden in die Tiefe ging, sammeln sich hier unterhalb des Grundwasserspiegels Millionen Liter an höchst agressivem Wasser, das auf Ewigkeit hin abgepumpt werden muss. „Ich hab Schuhgröße 44“, so sagte unser 79-jähriger langjähriger ehemaliger Bergmann, der uns geführt hat, „aber wenn ich mit Lederschuhen untertage im Wasser arbeiten musste, dann hatten die Schuhe am nächsten Tag die Größe 41.“ 38 Jahre war er dabei, einer unter 8000 Kumpels Für etwa 9 Mio. Biere hochgerechnet und 3 Mio. Schnäpse ist nach Meinung der Bergbauehepartnerinnen unnötig Geld ausgegeben worden. Über 25 m ist an verschiedenen Stellen die Gegend abgesackt, quasi natürlich ist sie an anderen Stellen aufgestockt worden durch den Schuttabraum. Um das Ganze dann noch schöner zu machen, sind Kunstwerke und Landmarken auf den Halden entstanden. Weitere Zahlen gefällig?blume 120000 waren angesagt, wenn Leute eine Zechenhausdoppelhälfte kaufen wollten, um sich davor zu schützen, dass eine Siedlungsstruktur durch Neubauten, bei denen jeder Quadratmeter an verfügbaren Grundstücken ausgenutzt werden sollte, durcheinandergebracht wird. Eine Taubenklinik gibt es da in Essen. Dort werden immer noch Jungtiere angelernt für 150 € pro Exemplar in einem Halbjahr. Aber, wie Hermann Neuhaus, unser Bergmann sagte, „wenn Du Tagessieger gewesen bist, dann bisse die ganze Woche übba mit stolzgeschwellte Brust durche Siedlung stolziert!“ Am Mechtenberg, der keine Halde ist sondern ein natürlicher Hügel, da gibt es seit jüngster Zeit einen Biergarten. Ein Schaustellerpaar, das sich jahrzehntelang von Kirmes zu Kirmes bewegt hat, hatte die Idee, es sich hier ein wenig ruhiger angehen zu lassen. Beide bestimmt auch an die siebzig. Wieviele Brücken wir überquert haben auf unserem weiteren Radweg, ich weiß es nicht; aber schöne und interessante Brücken waren es.blume

Erzbahn Erzbahntrasse Mechtenberg Zollverein

Dann kam Schalke und die Führung in der Arena. 2 km Flatterband mussten herhalten, um unerwünschte Blicke vom so wichtigen Abschlusstraining vor dem Auswärtsspiel in Wolfsburg abzuhalten. Bedeutete für uns, dass wir einmal rund um die Turnhalle mussten, obwohl der Zugang zu unserem Treff in Gegenrichtung nur 20 m entfernt war. 10000 € kostet ein Ausfahren des Rasens und genauso teuer ist es, wenn er wieder hineingefahren wird. 52000 Liter umfasst der Biertank mit Leitungen von 10 km. Ich möchte da nicht der erste sein, dem ein Bier gezapft wird. Das muss ein Nachtwächter sein!!! 110 Zehen an Platt- und Senkfüßen verewigt, sind im Schalkemuseum zu sehen. Gehören wohl zu Spielern, die in besseren Zeiten für den Verein tätig waren. 99 Jahre wird es wohl immer noch dauern, bis mal wieder ein Meistertitel eingeheimst ist. Aber Hochachtung vor dem, was da so auf Schalke passiert! Die Arena ist klasse! Eine Führung ist nur zu empfehlen. Null Kuchen gab es dann bei Ente Lippens in Karnap. „Ich danke Sie“ meinte er trotzdem. Zwischenstopp Veltinsarena Schalke Lippens Ich danke auch den 11 MitradlerInnen, die durch ihre Stimmung den Tag wohltuend gestaltet haben. Die Saisoneröffnung hat Lust auf Mehr in 2015 gemacht.blume

p.s.: Die Bilder wurden freundlicherweise von Lutz Omlin zur Verfügung gestellt.


1 Kommentar

  1. 1. Peter Hartwigsen

    Kommentar vom 22. April 2015 um 22:03

    Lieber Kalle,vielen Dank für Deinen interesanten Bericht So bleibt die Tour in lebhafter Erinnerung.
    Wir wissen jetzt: Du kannst uns durch das dickste Ruhrgebiet ohne Umwege lotsen und auch noch vorzügliche Reiseberichte schreiben.
    Hab vielen Dank für Deine Mühen.
    Liebe Grüße Peter

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